Georgien ist kleiner als Bayern und trotzdem erstaunlich schwer auf einen einzigen Weinstil zu reduzieren. Vom subtropisch geprägten Schwarzen Meer im Westen bis zu den trockeneren Tälern Kachetiens im Osten liegen nur wenige Hundert Kilometer. Dazwischen stehen Gebirge, Flusstäler und Hochplateaus. Genau diese Geografie erklärt, warum georgischer Wein weit mehr ist als Saperavi und Qvevri.
Das wichtigste Weinbaugebiet ist Kachetien im Osten des Landes. Hier entsteht der weitaus größte Teil des georgischen Weins. Die Weinberge liegen vor allem im Becken des Alazani und des Iori, häufig zwischen etwa 400 und 700 Metern Höhe. Die National Wine Agency nennt unter anderem humus- und karbonathaltige Böden, Schwarzerden und alluviale Formationen. Das Klima ist vergleichsweise warm und kontinental geprägt, gleichzeitig wirken die Gebirge des Kaukasus auf Temperatur und Niederschläge ein.
Für Weintrinker ist Kachetien besonders spannend, weil hier einige der wichtigsten Rebsorten Georgiens zuhause sind. Saperavi liefert tiefdunkle, säure- und tanninreiche Rotweine mit enormem Reifepotenzial. Bei den weißen Sorten dominieren Rkatsiteli und Kakhuri Mtsvane, ergänzt von Kisi und Khikhvi. Sie können europäisch geprägt im Edelstahl oder Holz ausgebaut werden, aber auch nach kachetischer Tradition über Monate mit den Schalen im Qvevri liegen.
Dadurch kann dieselbe Region zwei komplett unterschiedliche Gesichter zeigen. Ein Rkatsiteli aus dem Edelstahl kann schlank, zitrisch und geradlinig wirken. Derselbe Grundtyp als traditioneller Qvevri-Wein kann bernsteinfarben, tanninbetont und von getrockneten Früchten, Tee und Gewürzen geprägt sein.
Mosmieri liegt genau in dieser Weinwelt rund um Telavi und das Alazanital. Deshalb passen auch die bei Vioneers vertretenen Weine so gut zusammen. Kisi zeigt die aromatische Seite Kachetiens. Kakhuri führt tiefer in die traditionelle georgische Vinifikation. Saperavi wiederum steht für das rote Rückgrat der Region.
Doch Kachetien ist nur der Anfang.
Westlich von Tiflis liegt Kartli. Die Weinberge befinden sich vielfach zwischen 450 und 700 Metern in den Becken und Tälern des Mtkvari und seiner Nebenflüsse. Das Klima ist kühler, weshalb Kartli traditionell auch für feinere Weißweine und Schaumwein interessant ist. Zu den wichtigen Rebsorten gehören Chinuri und Goruli Mtsvane sowie die roten Tavkveri und Shavkapito.
Noch einmal anders schmeckt Imeretien im Westen. Klima und Böden sind hier deutlich heterogener und feuchter. Tsolikouri, Tsitska und Krakhuna gehören zu den prägenden weißen Sorten, Otskhanuri Sapere zu den charakteristischen roten. Auch hier wird traditionell im Qvevri gearbeitet, allerdings meist mit weniger Maische als in Kachetien. Das Ergebnis ist häufig heller, feiner und weniger gerbstoffbetont.
Weiter nördlich liegen Racha und Lechkhumi. Die Weinberge ziehen sich durch die Täler und Hänge des Rioni-Systems. Kleine Rebflächen, steile Lagen und seltene Sorten prägen die Region. Aleksandrouli und Mujuretuli bilden die Grundlage des berühmten Khvanchkara, Tsolikouri steht hinter Tvishi. Auch die extrem seltene rote Sorte Usakhelouri ist hier zuhause.
Richtung Schwarzes Meer verändern sich die Bedingungen grundlegend. Guria, Samegrelo und Adjara sind feuchter und subtropischer geprägt. Die Vegetationsperioden sind lang, die Lese kann entsprechend spät stattfinden. Historische Sorten wie Chkhaveri oder Ojaleshi erzählen eine vollkommen andere Geschichte als Saperavi im trockeneren Osten. Ganz im Süden wiederum liegt Meskheti, wo historische Terrassenweinberge bis weit über 1.000 Meter Höhe reichen.
Genau darin liegt die eigentliche Stärke Georgiens: Das Land besitzt nicht einen exotischen Weinstil, sondern ein komplettes eigenes Koordinatensystem aus Rebsorten, Regionen und Ausbauformen.
Wer Georgien nur als Heimat des Orange Wines betrachtet, sieht deshalb ungefähr so viel vom Land, als würde man Deutschland ausschließlich über restsüßen Riesling erklären. Es stimmt. Aber es ist nur ein kleiner Ausschnitt.